Geistliches Wort Juni-Juli

Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir ein langes Leben einbringen. (Sprüche 3,1-2)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde,

sagt ein Pfarrer zum andern: „Ich werde diese blöden Fledermäuse im Kirchturm einfach nicht los!“ „Gar kein Problem“, sagt der andere: „Ich hab‘ meine getauft und konfirmiert, seitdem hab‘ ich sie nie wieder gesehen!“

Glücklicherweise haben wir in unseren beiden Gemeinden keinerlei Probleme mit Fledermäusen, und auch die Konfirmierten der letzten Jahre halten gut zur Stange. Und doch ist es jedes Mal wieder die spannende Frage: Wie geht es weiter nach dieser „Pflichtzeit“, die junge Christen zu überstehen haben? Ist dann erstmal eine Pause nötig? Oder haben sie sich eingelebt in den bewussten Glauben?

Schließlich ist ja was dran an dem Spruch, der über diesen Zeilen steht: Wer dran bleibt am Glauben, am Vertrauen auf Jesus, dem winkt nicht nur ein langes, sondern sogar ein ewiges Leben!

Und doch wissen wir alle: Es gibt Zeiten, da ist unser Glaube eher passiv – da muss Gott schon mit mir treu sein, weil es mit meiner Treue grade nicht so weit her ist.

Und dann gibt’s wieder die anderen Zeiten, in denen Gott mir wieder näher kommt. Zum Beispiel wenn ich mich auf die Konfirmation vorbereite. Oder wenn meine Kinder in ein Alter kommen, in denen die Gemeinde ein Angebot für sie hat. Oder wenn ich besonders schwere Zeiten durchlebe, oder besonders schöne. Oder wenn ich beginne, mich mit meinem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Wie gut, dass Gott dann nie nachtragend sein wird, sondern dass seine Arme immer weit für uns geöffnet bleiben. Wie in der biblischen Geschichte vom Sohn, der sein Erbe einfordert und den Vater verlässt. Dem sein Vater völlig gleichgültig ist. Und der dann erst wiederkommt, als es ihm richtig dreckig geht.

Und was tut der Vater, was tut Gott? Schimpft er ihn aus? Nein, im Gegenteil: Er freut sich und nimmt ihn in die weit geöffneten Arme!

Damit grüßt herzlich

Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort April-Mai

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

am Aschermittwoch ist alles vorbei – das war auch für den Rödinghauser Heimatverein wieder so dieses Jahr, der die Tradition des närrischen Treibens im Ostwestfälischen aufrecht erhält.

Und besonders die römisch-katholischen Christen, aber immer häufiger auch evangelische, gehen an diesem Tag in die Kirche und werden an der Stirn mit einem Aschenkreuz gezeichnet.

Asche ist in vielen Religionen und Kulturen ein mit Schuld und Tod verbundenes Zeichen. In der biblischen Erzählung vom Sündenfall sagt Gott zu Adam: ,,Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück (1.Mose 3,19).“

Dieses Bibelwort erinnert die Christen am Aschermittwoch so auf der einen Seite daran, dass sie sterben müssen und vor Gott treten. Damit ist das Aschenkreuz eine Mahnung, sich zu hinterfragen und umzukehren.

Das deutende Wort müsste aber eigentlich lauten: „Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist, aber zur Auferstehung in das ewige Leben bestimmt.“

Damit ist auf der andern Seite am Aschermittwoch zu Beginn der Fastenzeit schon das Ende der Fastenzeit, das Osterfest, mit seinem Versprechen einer fröhlichen Auferstehung fest im Blick.

Der Karneval mit seinem närrischen Treiben ist vielleicht an diesem Tag zu Ende. Aber für alle Getauften, die an diesem Tag wie bei ihrer Taufe ein Kreuz an die Stirn gezeichnet bekommen, ist dieser Tag so auch ein Tag des Anfangs, ein Tag der Freude. „Denn alle, die durch die Taufe mit Jesus verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, werden ihm auch in der Auferstehung gleich sein (Römer 6,5).“

So wünsche ich allen „Narren in Christus“ eine gesegnete Restpassionszeit zur Vorbereitung auf Ostern mit der Möglichkeit, neu über das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz nachzudenken. Und dann ein fröhliches Osterfest, an dem die Auferstehung Jesu zum Versprechen unserer Auferstehung zum ewigen Leben wird.

Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort Februar-März

Suche Frieden und jage ihm nach. (Psalm 34,15)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

was ist das für eine passende Jahreslosung: Suche Frieden und jage ihm nach. Sie passt in eine Zeit, in der Kriege Menschen um die halbe Welt treiben, in der die Demokratie ausgehöhlt wird und der Nationalismus weltweit wieder Auftrieb erhält. Da ist es an uns, den Frieden zu suchen.

Im weltweiten Maßstab sind unsere Möglichkeiten da sicher begrenzt. Aber im zwischenmenschlichen Bereich, da ist viel möglich. Dazu laden die beiden Stühle auf dem Deckblatt ein: Setzen Sie sich doch mal gedanklich mit der oder dem auf diese Stühle, die Ihnen im letzten Jahr am meisten auf den Keks gegangen sind. Die Arbeitskollegin vielleicht, mit der es Zoff gab. Oder der Partner, der mir immer wieder das Leben so schwer macht. Oder die Geschwister, mit denen ich so viele alte Geschichten teile. Oder vielleicht ist es die anstrengende Nachbarin, die immer was zu nörgeln hat über den Gartenzaun. Oder jemand in der Gemeinde, mit dem ich unterschiedlicher Meinung bin, vielleicht wegen Baufragen oder Gestaltung des Gemeindelebens.

Vielleicht sind es aber auch Menschen anderer Kulturen, mit denen ich mich eigentlich gar nicht beschäftigen will. Oder Angehörige einer Partei, die für mich gar nicht geht.

Ich glaube: Das ist der beste Weg zum Frieden. Sich mit genau diesen Leuten auf zwei Stühle zu setzen. Sie besser kennen zu lernen. Zu fragen: Warum denkst und handelst du so? Und auch zu sagen: Du, das hat mich gestört, das hat mir weh getan. Ich glaube, genau dann jagen wir dem Frieden nach.

Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Das geht mir auch so. Wie gut, dass Jesus Christus am Kreuz längst Frieden gemacht hat, zwischen Gott und uns. Diesem Frieden müssen wir nicht mehr nachjagen. Vielleicht kann es uns dieses Wissen ein bisschen leichter machen, auch bei unserm Gegenüber auf dem andern Stuhl dem Frieden nachzujagen.

Fröhliches Nachdenken über den Frieden wünscht

Ihr Johannes Heicke

Geistliches Wort November-Januar

Jesus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern er wird das ewige Leben haben.

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

als wir im Frühjahr im Rückenwind-Team den Gottesdienst zum Thema Gemeindebilder geplant haben, da haben wir ganz besonders über dieses Bild diskutiert. Die Frage war: Geben wir diesem Jesuswort den Vorzug, in dem er sagt, dass er das Licht der Welt ist – oder lieber dem aus Matthäus 5,14, wo er sagt: „Ihr seid das Licht der Welt“?

Dabei wurde uns klar, dass beides zusammengehört. Klar, besonders in der dunklen Jahreszeit erleben wir wieder, wie wichtig das Licht für uns ist und was für ein Glück, dass wir es einfach so anschalten können. Und auch, welche Kraft das Licht hat – eine einzige kleine Kerze kann einen ganzen Raum erleuchten, verändert die Atmosphäre des Raums völlig, schenkt Geborgenheit, gibt Orientierung.

In diesem Sinn ist erstmal Jesus unser Licht. Er macht es in unserem Leben hell, grade da, wo es besonders dunkel ist, wo wir traurig sind, einsam oder verletzt. Weil er uns kennt und weiß, wo wir sein Licht brauchen.

Aber auch das andere stimmt: Wir Christen sind selber Licht! Das traut Jesus uns zu: dass wir Licht spenden, genauso wie er. Dass wir als Christen den Heiligen Geist haben. Der macht uns fähig, selbst zu leuchten, anderen Licht zu bringen: durch Besuche in dunklen, einsamen Stunden, durch Gebete in ausweglosen Situationen, durch tatkräftige Hilfe in hilflosen Momenten, durch zugesprochene Vergebung, Beistand in Angst und vieles mehr.

Wir haben uns am Ende entschieden, im Rückenwind-Gottesdienst beide Jesus-Worte zu verwenden. Denn das ist Gemeinde: Bei Jesus, im Hören auf sein Wort, Licht tanken. Und das Licht dann weitergeben in die Welt.

Schöne, gemütliche Stunden mit Licht trotz dunkler Jahreszeit, im wörtlichen wie übertragenen Sinn, wünscht
Johannes Heicke

Geistliches Wort September-Oktober

Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,5)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

gestern habe ich von meinem Weinstock die erste Traube geerntet. Diesen Weinstock hat mir das Rückenwind-Planungsteam geschenkt. Er war für unseren Themengottesdienst „Bilder von Gemeinde“ angeschafft worden. Und obwohl er noch im Topf steht, trägt er immerhin fünf leckere Trauben.

Die Reben müssen dafür mit dem Weinstock verbunden sein, ist ja klar. Denn sonst sind sie tot und trocknen aus.

Jesus will mit diesem Vergleich sagen: Gemeinde ohne mich geht nicht. Wenn eine Gemeinde vergisst, dass ich der Mittelpunkt bin, ist es aus. Wenn eine Gemeinde vergisst, dass sie ihr ganzes Leben von mir hat, vertrocknet sie. Die Verbindung zu Jesus, die ist lebensnotwendig.

Gleichzeitig hängt jede Rebe auch an den anderen. Sie sind alle verbunden durch den Weinstock. Sie trinken alle dieselben Nähstoffe, ob sie wollen oder nicht. Nicht nur die Verbindung zu Christus ist also wichtig, sondern auch die Verbindung untereinander. Kirchkaffee, Gemeindefeste, Gesprächsrunden, Gemeindefahrten und vieles mehr wollen dazu helfen, diese Gemeinschaft zu stärken.

Und doch: Auch die Gemeinschaft untereinander geht nur durch den Weinstock hindurch. Am deutlichsten wird das im Abendmahl: Indem wir Christus, seinen Leib und sein Blut, essen und trinken, wachsen wir zusammen zu seinem Leib, also zur Gemeinde.

So gilt beides: Gemeinschaft untereinander, aber ohne Christus funktioniert nicht. Genauso wenig wie Gemeinschaft mit Christus ohne Stärkung durch andere Christen.

Klingt nach einer großen Aufgabe, was? Keine Angst: Es ist nicht in erster Linie unsere Aufgabe. Sondern die des Weinstocks, der durch uns wirkt. Der verbindet uns untereinander und mit sich selbst, er versorgt uns mit Nährstoffen, er bringt die Früchte an uns hervor – denn ohne ihn können wir nichts tun.

Spätsommerliche Grüße sendet
Pastor Johannes Heicke

 

Geistliches Wort Juli-August

Ihr seid der Leib Christi, und jeder von euch ein Glied. (1. Korinther 12,27)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

im „Brief“ soll es ja, wie auch sonst in der Gemeindearbeit, in diesem Jahr besonders um biblische Bilder von Gemeinde gehen. Eins der wohl bekanntesten und eingängigsten Bilder für die christliche Gemeinde ist das vom Leib und den Gliedern, oder in heutigem Deutsch: Vom Körper und den Körperteilen.

Hier wird auf besondere Weise klar: Wir sind in der Gemeinde aufeinander angewiesen. Paulus schreibt in den Versen vor unserer Bibelstelle: „Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör?“ Das heißt doch: Es ist gut und richtig, dass wir in unserer Gemeinde so viele verschiedene Menschen haben. Auch und grade, wenn wir deshalb mal aneinandergeraten.

Weiter Paulus: „Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht.“ Das heißt doch: Auch wenn ich vielleicht finde, das, was der andere in der Gemeinde tut, ist nicht nötig, bleibt es wichtig. Es ist wichtig, dass es Augen gibt, die sehen, was dran ist in der Gemeinde. Es ist wichtig, dass es Gehirnzellen gibt, die darüber nachdenken, was zu tun ist. Und ganz genauso wichtig – nicht mehr und nicht weniger – ist es, dass wir Hände haben, die dann zupacken und das ausführen.

Aber der steilste Satz kommt noch: “Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten.“ So, wie im Körper zum Beispiel nichts ohne die winzig kleinen roten Blutkörperchen läuft, so brauchen wir im „Körper Gemeinde“ kleine Babys, weil sie uns das Wunder des Lebens zeigen. Wir brauchen alte Menschen, die Zeit dazu haben, für unsere Gemeinde zu beten. Und wir brauchen Kranke, die trotz ihres Leids nicht verzweifeln, sondern am Glauben festhalten und so Vorbilder werden.

Und das ist auch klar: Die Kraft dafür, auch die als „Mit-Glieder“ anzunehmen, die mir nicht passen, die kommt nicht aus mir. Die kommt vom Kopf her, vom Haupt, Jesus Christus.

Weiter fröhliches Eingeleibt-Werden wünscht Johannes Heicke

Geistliches Wort Mai-Juni

Auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft. (1. Petrus 2,5)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

drei Jahre lang haben wir geplant, und endlich ist es soweit: Die Außenarbeiten am Gemeindehaus sind fast abgeschlossen, der Anstrich so gut wie fertiggestellt. In den geistlichen Worten soll es ja, wie auch sonst in der Gemeindearbeit, in diesem Jahr besonders um biblische Bilder von Gemeinde gehen. Und zur Gemeindehausrenovierung passt das Bild von den lebendigen Steinen.

Dabei steht ein Stein im Hintergrund: Jesus als der Eckstein, auf dem der ganze Bau steht. Jesus ist der Grundstein, er hält den ganzen Bau zusammen, ohne ihn geht in der Gemeinde gar nichts. Wo wir ihn aus den Augen verlieren, fällt die ganze Gemeinde auseinander.

Und doch ist auch jeder von uns wichtig: Gott, der Baumeister, baut ja mit uns, den lebendigen Steinen. Ohne uns geht’s in der Gemeinde auch nicht! So hat er uns an ganz verschiedenen Stellen im Gemeindeleben eingebaut: Im Gottesdienst, im Singchor, als Lektoren, beim Kindergottesdienst, beim Besuchsdienst, als Küster, im Vorstand, in den Kommissionen, beim Kirchkaffee, beim Beten für die Gemeinde und, und, und.

Das Bild zeigt uns: Gemeindehaus und Kirchgebäude bestehen aus toten Steinen, auch wenn sie noch so schick sind. Was wichtig ist, sind die lebendigen Steine, die sich darin treffen! Und die mit Jesus, ihrem Grundstein, in Kontakt kommen.

Jetzt könnte man denken: Ich bin also nur lebendiger Stein, wenn ich für’s Reich Gottes arbeite. Aber im Bild geht’s gar nicht um meine Leistung. Sondern darum, dass Gott, der Baumeister, mich aufbaut. Nicht wir bauen die Gemeinde, sondern Gott durch uns. Er arbeitet wie ein Steinmetz an uns durch den Heiligen Geist. Den schenkt er in Taufe, Abendmahl, Vergebung in der Beichte und seinem Wort. Das macht uns zu lebendigen Steinen.

Gesegnetes Auferbaut-Werden wünschen Johannes Heicke und Lena Schomburg (gerade im Praktikumstag)

Geistliches Wort März-April

Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Johannes 10,11)
Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,
der Schwenningdorfer Kirchenvorstand hat sich für dieses Jahr vorgenommen, verstärkt über die Zukunft unserer Gemeinde  nachzudenken. Passend dazu soll es auch hier im „Brief“ in diesem Jahr um Bilder von Kirche gehen.
Ein erstes Bild von Kirche steht den Schwenningdorfern sonntäglich vor Augen: Der gute Hirte und seine Schafe. Und nein, ich meine mit dem Hirten nicht den Pastor, sondern den Herrn Christus im Altarbild der Johanneskirche, wie er auch auf dem Deckblatt zu sehen ist. Vielen Christen behagt die Vorstellung nicht, sich als unmündiges oder sogar noch dummes Schaf zu verstehen, das dem Hirten gehorchen muss. Das kann ich nachvollziehen.
Allerdings geht es Jesus darum auch gar nicht. In der Bibel wird gar nicht in erster Linie über das gesprochen, was die Schafe tun.  Sondern über das, was der Hirte tut. Er sorgt für seine Schafe, kennt sie, liebt sie, geht ihnen nach, beschützt sie. Und das Ganze gipfelt in dem Satz: Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Mal ganz ehrlich: Würde das in Wirklichkeit irgendein Hirte dieser Welt tun? Oder übertragen: irgend einer unserer politischen oder wirtschaftlichen Führer? Sein eigenes Leben opfern, um seine Schafe zu retten? Jesus hat das getan. Er ist am Kreuz gestorben, damit wir ewig leben können.

Ich mag das Gemeindebild von Hirten und Schafen. Weil es dabei weder um das Gebäude Kirche noch um die Institution Kirche
geht. Luther sagt dazu: „Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die heilige christliche Kirche sei, nämlich die Gläubigen und die Schäfl ein, die ihres Hirten Stimme hören.“ Das ist Kirche. Nicht Gebäude, nicht Bischof, nicht Superintendent, nicht andere Ämtchen, nicht Geld, nicht Macht, nicht eine bestimmte Kirche. Sondern die, die die liebevolle Stimme ihres Hirten hören, der sie auf
gute Weide führt.
Eine gesegnete Fastenzeit im Hören auf diesen Hirten, der sein Leben gibt, wünscht Ihr/Euer
Johannes Heicke

 

Geistliches Wort Dezember-Februar

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk. (Die Bibel, Lukas 1, 68)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Ich mag Besuch. Es ist schön, liebe Menschen wiederzusehen, sich auszutauschen, am Leben des anderen Anteil zu nehmen. Grade jetzt im Advent steht das ja in vielen Familien wieder an.

Und doch: An dem Spruch auf der Titelseite ist schon etwas dran. Zu deutsch: „Jeder, der durch diese Tür geht, bringt Freude. Der eine, wenn er kommt und der andere, wenn er geht.“

So schön Besuch auch ist: Der gewohnte Tagesablauf wird auf den Kopf gestellt, die Kinder merken, dass sie Dinge machen dürfen, die sonst nicht erlaubt sind und nutzen das gerne aus. Es ist wesentlicher lauter zu Hause. Die Privatsphäre leidet in diesen Tagen. Und so atmet man wieder durch, wenn der Besuch das Haus verlässt und man wieder unter sich ist.

Vielleicht sind das auch alles Gründe, warum das Thema „Besuch“ das größte Konfliktpotential am Weihnachtsfest birgt…

Dabei bekommen wir doch alle in den kommenden Tagen wieder Besuch! Gottes Sohn kommt an Weihnachten in diese Welt. Jesus Christus kommt in dein und mein Leben.

Und: Er kommt, um zu bleiben! Für immer! Oha…

Doch dieser Jesus, der will dir deine Privatsphäre nicht nehmen. Der will dich auch nicht einengen. Du kannst dich vor ihm gar nicht verstellen und brauchst auch keine Fassade aufzubauen, denn er kennt dein Leben sowieso schon bis in die hintersten Winkel. Er weiß um deine Freuden, aber auch deine Sorgen, deine Schmerzen und deine dunklen Seiten.

Und gerade deshalb kommt er zu dir, um zu helfen, um zu vergeben, um dich fröhlich zu machen und dir eine neue Perspektive zu schenken, die über dieses Leben hinausreicht!

Traurig wird es dort, wo ich ihm die Tür vor der Nase zuknalle.

Ja, in den vielen Gottesdiensten in den nächsten Wochen will er uns wieder besuchen. Darauf freue ich mich schon.

Eine gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihr/Euer

Johannes Heicke

Geistliches Wort November-Dezember

Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. (Markus 10, 14)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Leserinnen und Leser,

bei drei Taufen in einem Monat hört man diesen Vers häufig: Den Kindern gehört das Reich Gottes.

Warum? Ganz einfach: Sie können Gott nichts bringen, nichts vorweisen, nichts leisten, damit er sie annimmt, damit er sie liebhat, damit er sie zu seinen Kindern macht und ihnen die Eintrittskarte ins ewige Leben gibt.

Das ist es, was Luther meint, wenn er sagt: Wir sind aus Gnade gerecht vor Gott, nicht durch das, was wir tun.

Mit diesem Vers, „Lasst die Kinder zu mir kommen“, habe ich auch den Elternabend für den neuen Konfirmandenkurs (siehe Deckblatt) begonnen. Und zwar deshalb, weil das gleichzeitig heißt: Wir können von den Kindern richtig was lernen! Nämlich dass unsere ganze Hektik und unser Leistungsstreben am Ende nichts bringen. Sondern dass es uns vielmehr ausschließt vom echten Leben.

Erstens, weil wir dadurch genau keine Zeit haben für unsere Kinder – oder auch ganz andere schöne Dinge im Leben, die man nicht mit Geld kaufen kann. Leider wird uns das oft erst als Großeltern bewusst: „Hätte ich doch damals…“

Und zweitens, weil uns durch unser Leistungsdenken keine Zeit mehr bleibt, unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, Zeit mit unserem himmlischen Vater zu verbringen, über das echte, ewige Leben nachzudenken.

Übrigens: Nicht nur die Kinder, auch die alten Menschen sind an diesem Punkt von Gott besonders gesegnet. Ich sehe oft, wie weh es tut, wenn man immer weniger kann. Wenn man sich auf andere Menschen verlassen muss.

Allerdings heißt genau das auch: zu werden „wie ein Kind“ im Sinne Jesu. Wenn ich merke, dass ich auf andere angewiesen bin, dann merke ich auch: Ich habe bei Gott nichts vorzuweisen. Kann auch ihm gegenüber nichts leisten. Und so werde ich frei, ihm zu vertrauen. Zu erleben: Ja, er schenkt mir seine Nähe, er schenkt mir ewiges Leben mit ihm ganz ohne meine Leistung.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Pfarrer Johannes Heicke