Geistliches Wort Oktober-November

Als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft.
1. Petrus 2,5

Liebe Gemeindeglieder unserer Pfarrbezirke, liebe Freunde,

es wird kräftig gebaut in Schwenningdorf (siehe Gemeindeteil). Unter dem schadhaften Putz traten die vorher verborgenen Backsteine zu Tage. Und man kann sehen: Erst wenn ein Stein an seiner Stelle sitzt, im Verbund mit anderen Steinen, erfüllt er seine Bestimmung.

Solche Steine wählt der Apostel als ein Bild für die Gemeinde. Denn auch wir Menschen erfüllen erst in der Gemeinschaft mit anderen unsere Bestimmung.

Und jeder Stein hat seinen ganz bestimmten Sinn: Ein Stein gehört zur Umfassungsmauer, schützt vor den Einwirkungen des Wetters von außen. In der Gemeinde sind das die stillen Beter, die Gott um seinen Schutz und Segen für die Gemeinde bitten.

Ein anderer Stein gehört zum Pfeiler, trägt die Last des Daches. In der Gemeinde sind das vor allem die treuen Helferinnen und Heöfer, die unsere Gemeinden tragen.

Ein anderer Stein gehört zum Gewölbe unten im Keller, hält den seitlichen Druck der anderen Steine aus. In der Gemeinde ist das glaube ich der Kirchenvorstand. Der muss auch immer mal Druck aushalten.

Noch ein anderer Stein ist vielleicht Bodenplatte – Teil des Wegs, über den die Gemeinde ihren Weg geht. In der Gemeinde sind das glaub‘ ich Leute, die auch mal querdenken, nach vorne schauen, den Weg bereiten.

Bei Petrus ist gleich klar: Das Bild hinkt. Denn die Gemeinde-Steine sind lebendig. Die werden nicht mal einmal verbaut, sondern immer neu gestaltet: Einer kommt dazu, ein anderer rückt an eine andere Stelle, ein dritter wird neu verbaut im himmlischen Jerusalem.

So ist Gemeinde immer in Bewegung – und hat doch ein sicheres und festes Fundament, auf dem sie steht: Auf Jesus Christus als dem Eckstein, der den Bau erst stabil macht. Der gibt allen Steinen festen Halt, auch wenn sie alle ihre schadhaften Stellen haben. Er tut das mit seinen Geschenken an die Kirche, mit Taufe, Predigt, Sündenvergebung, Abendmahl.

So „erbaut“ Christus seine Kirche – sowohl geistlich als auch ganz konkret, wie gerade in Schwenningdorf.

Fröhliches Erbautwerden wünscht – auch im Namen von Pfarrer Reitmayer –

Ihr Pfarrer Johannes Heicke

Geistliches Wort August-September 2014

Liebe Gemeindeglieder in Johannesgemeinde und Bethlehemsgemeinde, in Dreieinigkeitsgemeinde und Petrusgemeinde,
liebe Freunde,
ich freue mich auf den Urlaub. Ich freue mich darauf zu wandern, Fahrrad zu fahren, meine Fremdsprachenkenntnisse zu erweitern, Bücher zu lesen, die seit meinem Geburtstag im Regal liegen, und Gesellschaftsspiele zu spielen, die seit Monaten auf das Auspacken warten. Über das Urlaubsziel kann ich mich mit meiner Frau eigentlich immer schnell einigen: Ihr ist eigentlich ziemlich gleich, wohin wir fahren, wenn das Ziel nur in Holland liegt (Sie wissen doch: das Land mit dem Vla, dem unnachahmlichen Tütenpudding).
Ich freue mich auch darauf, sonntags Gottesdienst in einer Sprache zu feiern, die nicht meine Muttersprache ist. Es ist spannend, von Gottes Beziehung zu uns Menschen auf Weisen zu hören, die sich auf Deutsch so gar nicht sagen lassen, sie in Bildern entfaltet zu sehen, auf die in unserm Land niemand kommen würde, Lieder mitzusingen, deren Verse von großem Gottvertrauen geprägt sind, die ich aber noch nie gehört, geschweige denn mitgesungen habe.
Ich freue mich darauf, Gott danken zu können für Erfahrungen, die im alltäglichen Trott leicht untergehen: der Geruch einer frisch gemähten Wiese, das Gefühl nassen Sandes unter nackten Füßen, der Regentropfen, den ein Schauer von meiner Nase in den Bart tropfen lässt. „Jetzt hat das echte Leben uns wieder!“ hat meine Frau nach einem solchen Urlaub gesagt. Das ist vielleicht eine etwas altertümliche Perspektive, aber für sie wie für mich ist Urlaub eine Zeit, Atem zu schöpfen für die Herausforderungen und Belastungen unseres Alltags. Ich beobachte, dass manche das andersherum empfinden, den Alltag als die ungeliebte aber unvermeidliche Unterbrechung des eigentlichen Lebens sehen, das am Wochenende und im Urlaub stattfindet. Ich möchte aber diesen Alltag nicht nur ertragen und über ihn stöhnen, sondern ihn als die Herausforderung begreifen, vor die Gott mich stellt. Und weil die Belastung dabei bis an die Grenzen gehen kann, ist es gut, ja notwendig, Pausen einzulegen. Ich freue mich auf diese Pause und bin Gott schon jetzt dankbar dafür.
Wir sehen uns dann nach dem Urlaub.
Einen herzlichen Gruß auch im Namen
von Pfarrer Heicke,

Ihr Bernd Reitmayer

Geistliches Wort Juni 2014

Liebe Gemeindeglieder unserer Pfarrbezirke, liebe Freunde,

Pfingsten, das ist ein schönes Fest. Mitten im Frühling gelegen, alles grünt und blüht, „Geh‘ aus, mein Herz“ wird in den Gemeinden rauf und runter gesungen. Das macht Freude, das genießen wir aus vollem Herzen. Völlig zurecht.

Pfingsten, das ist aber auch ein sperriges Fest. Schon der Name: Was heißt das eigentlich? Er kommt von Pentekoste, dem griechischen Wort für „der Fünfzigste“. Der Pfingstmontag (eigentlich also der wichtigere Tag) liegt nämlich genau 50 Tage nach Ostern.

Und dann ist auch der Inhalt irgendwie sperrig: Die „Ausgießung“ des Heiligen Geistes auf die Jünger, wie sie in der Apostelgeschichte im 2. Kapitel berichtet wird. Der Heilige Geist ist bei uns Deutschen immer ein bisschen unterbelichtet. Klar, irgendwie gibt’s den Vater, den Schöpfergott, der irgendwann mal die Welt gemacht hat. Und jetzt als gütiger Opa aus dem Himmel wie aus dem Fernsehsessel seiner Welt zuschaut. Und klar, sicher gibt’s auch Jesus, den Sohn. Der ist ja geschichtlich gesichert auf dieser Welt unterwegs gewesen, damals vor 2000 Jahren. Dass dieser Mensch aber auch Gott war, und er für uns gestorben und auferstanden ist, da wird’s für manchen schon schwieriger.

Und dann erst der Heilige Geist: Eine Kraft Gottes, die heute wirkt! Die eben nicht irgendwann vor ewigen Zeiten die Welt gemacht hat. Oder vor 2000 Jahren auf der Welt unterwegs war. Sondern der jetzt und heute Menschen begeistern und anstecken will. Das ist vielen dann doch zu nah.

Dabei bringt er eine ganze Menge Versprechen mit, der Heilige Geist: Allen voran, dass er Menschen den Glauben und damit ewiges Leben schenkt. Dann, dass er uns auch jetzt schon beisteht bei allem, was wir Schweres ertragen müssen. Dass er uns einen direkten Draht zu Gott verschafft. Und dass er sogar Krankheiten heilen, Sucht durchbrechen, Freiheit schenken kann.

Unsere Konfirmanden haben sich aufgemacht, um mit diesem Heiligen Geist unterwegs zu sein. Dazu wurde ihnen bei ihrer Konfirmation Gottes Segen zugesprochen. Und auch uns nähert er sich immer wieder, der Heilige Geist: In Gottes Wort, der Taufe und dem Abendmahl.

Eine segensreiche Sommerzeit in der Nähe Gottes wünscht

Ihr Pfarrer Johannes Heicke

Geistliches Wort April-Mai

Liebe Gemeindeglieder,
in Johannesgemeinde und Bethlehemsgemeinde, in Dreieinigkeitsgemeinde und Petrusgemeinde,
liebe Freunde,
Maria möchte sie in Zukunft heißen, die junge Frau, die in Rabber in der Osternacht getauft werden möchte. Maria – diesen Namen hat sie sich als Taufnamen gewählt, denn Maria ist „die von Gott Geliebte.“ Schweres hat sie erlebt, diese junge Frau, aber jetzt weiß sie sich von Gott geliebt. In der Bibel hat sie den Gott kennen gelernt, der ihr liebevoll nahe ist.

In der Geschichte vom „verlorenen Sohn“ hat sie sich selbst wiederentdeckt als „gefundene Tochter.“ Zu Jesus will sie gehören, der „gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Maria – die von Gott Geliebte. Dass seine Liebe und Zuwendung zu uns Menschen den in Jesus Mensch gewordenen Gott am Karfreitag am Kreuz bis in die selbst erlebte verzweifelte Gottesferne führt, das bleibt schwer zu verstehen. „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde,“ hat Jesus selbst dazu gesagt und ist diesen Weg dann gegangen, den Weg, der ihn in Folter und Tod geführt hat. In der Heiligen Woche gehen wir diesen Weg nach vom Einzug in Jerusalem am Palmsonntag über die Einsetzung des Abendmahls am Gründonnerstag bis zum Gedächtnis des Todes Jesu in der Andacht zur Sterbestunde – und wir dürfen mit dem Versprechen Gottes leben, dass wir – so wie Jesus wider alles Erwarten von den Toten auferstanden ist, auch auferstehen werden.

„Wir sind mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln,“ so schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief. Dieses neue Leben wird für Maria in der Osternacht beginnen. Und jeder Getaufte darf jeden Tag neu „in seine Taufe kriechen“, jeden Tag neu beginnen mit Gottes Zusage: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein, weil du mir so viel Wert bist und ich dich lieb habe“ – nicht nur Maria, die von Gott Geliebte, sondern Sie und ich auch.

In Vorfreude auf schöne Gottesdienste in der Osterzeit grüßt Sie auch im Namen von Pfarrer Heicke
Ihr Pfarrer Bernd Reitmayer

Geistliches Wort Februar-März

Gott nahe zu sein ist mein Glück.

(Psalm 73,28)

Liebe Gemeindeglieder unserer Pfarrbezirke, liebe Freunde,

Glück gehabt!“ sagen wir, wenn etwas gut ausgeht. Zum Beispiel wenn’s bei einem Unfall nur Blechschaden gibt. Oder wenn es mal nicht regnet, wenn wir unseren Regenschirm vergessen haben. Oder wenn wir trotz großem Bammel die Prüfung bestehen. Oder wenn die Diagnose beim Arzt doch nicht so schlimm ist wie befürchtet.

Im Moment erscheinen ja eine Menge Glücksratgeber. Sie zeigen: Wir sehnen uns sehr nach Glück. Und dabei geht es um mehr als ein schnell dahingesagtes: „Glück gehabt“.

Der Psalmbeter weiß, wo er’s kriegen kann, dieses Glück: In der Nähe Gottes. Allerdings gibt’s auch da kein „Friede-Freude-Eierkuchen“-Glück. Er schreibt:

„Fast wären meine Füße gestrauchelt, beinahe wäre ich gefallen.“ Auch in Gottes Nähe bleibt das Leben also, wie es ist: Mal schön, mal weniger schön.

Und doch beschreibt er die Nähe Gottes als Glück. Weil sie ihm Halt, Trost und Kraft gibt. So wie der Weinstock auf dem Titelblatt dieser Ausgabe: Die Trauben haben festen Halt, und ihnen strömt Kraft in Form von Nährstoffen zu.

So erlebt der Psalmbeter die Nähe Gottes. Er findet Halt in seinem Tempel, Kraft in seinem Wort. Gerade in Zeiten, die auf den ersten Blick nicht einfach nur glücklich sind, ist ihm dieser Halt wichtig.

Wir gehen mit großen Schritten auf die Fastenzeit zu. Und das erste, was einem dazu einfällt, ist „Verzicht“. Dabei geht’s darum gar nicht in erster Linie. Sondern viel eher um „Vertiefung“. Dem Leben Tiefe geben. Mal einen Gang zurückschalten. Einen Überblick über das eigene Leben gewinnen, über sich nachdenken. Und das geht eben sehr gut in der Nähe Gottes, in der solche tiefen Themen zugelassen, ja angeregt werden: Im Gottesdienst, in Predigt und Abendmahl, im Gespräch mit anderen Christen bei unseren Gemeindekreisen, aber auch im ganz persönlichen Gebet oder in der Bibellese. Ganz besonders sollen dazu die Passionsandachten dienen, in Schwenningdorf in diesem Jahr in meditativer Form.

Eine segensreiche Passionszeit in der Nähe Gottes wünscht

Ihr Pfarrer Johannes Heicke

Geistliches Wort Dezember 2013-Januar 2014

Liebe Gemeindeglieder
in Johannesgemeinde und Bethlehemsgemeinde,
in Dreieinigkeitsgemeinde und Petrusgemeinde,
liebe Freunde,

vor mir auf dem Tisch liegt ein alter Gemeindebrief. Er stammt aus dem Jahr 1986. Pastor Fischer war gerade mit seiner Familie in das Pfarrhaus in Rabber eingezogen. Zusammen mit Pastor Wienecke und einigen Gemeindegliedern entstand die Idee, für die  selbständigen lutherischen Gemeinden diesseits und jenseits des Wiehengebirges eine gemeinsame „Gemeindezeitung“ zu veröffentlichen. So hatten auch die Glieder der Petrusgemeinde Blasheim weiter Anteil am Leben der Gemeinden in Schwenningdorf und Rotenhagen, mit denen sie über viele Jahrzehnte als Pfarrbezirk verbunden gewesen waren. „Die Brücke“ verband die Gemeinden vorm und hinterm Berge dann viele Jahre lang. Weitere gemeinsame Projekte entstanden. Gemeinsame Gottesdienste auf dem Kummerbrink und bei Missionsfesten verbanden die Gemeinden genauso wie gemeinsame Kinderfreizeiten.

Mit dieser Gemeindebriefausgabe knüpfen wir an solche Zeiten der Gemeinsamkeit an. In Schwenningdorf und Rotenhagen erscheint sie als „Die Brücke“ Nr. 158, in Rabber und Blasheim als „Wegweiser“ Nr. 9. Die Besuche hin und her über den Berg mögen weniger geworden sein. Aber Gemeinsames wächst hier und da auch neu. Blasheimer singen in Schwenningdorf im Chor mit, Rotenhäger tun
im Posaunenchor mit dem Blasheimer Gottesdienst im Hof. Die Konfirmanden haben Unterrichtstage wie selbstverständlich in allen vier Gemeinden unserer Pfarrbezirke und kennen sich in Rabber genauso aus wie in Rotenhagen.

Jesus betet für seine Jünger, „dass sie eins seien,“ wie er eins mit dem Vater ist. Im Glauben sind wir in der Beziehung mit Jesus zu dieser Einheit verbunden. Der gemeinsame Gemeindebrief mag ein wenig dazu helfen, dass im Leben unserer Gemeinden diese Einheit wieder sichtbarer wird. Darüber hinaus lade ich Sie ein, für die noch viel größere Einheit zu beten, in der alle zusammengehören,
die überall in der Welt zu Jesus gehören, aber in Lehre und Leben derzeit nicht eins sind.

In Vorfreude auf schöne Gottesdienste zu Advent und Weihnachten grüßt Sie auch im Namen von Pfarrer Heicke
Ihr Bernd Reitmayer

Geistliches Wort Oktober-Dezember 2013

Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. (Johannes 11,25)

„Kaum zu glauben!“ kommt es einem manchmal über die Lippen! „Kaum zu glauben… aber wahr!“ Dieser Ausspruch ist meist Reaktion auf ein Ereignis, das nach menschlichem Ermessen mehr als unwahrscheinlich oder fast übernatürlich ist. Wie ein Krankenbesuch bei Reino Schönfeld, einem Herrn aus unserer Gemeinde in Rotenhagen, der plötzlich wusste: „Morgen sterbe ich.“ So konnten wir noch über sein Leben und das Leben nach dem Tod sprechen – und er verstarb tatsächlich am nächsten Tag. Kaum zu glauben. Das ist nicht jedem vergönnt – deshalb ist es gut, Vorsorge zu treffen. Aber dazu im übernächsten Artikel.

Kaum zu glauben war auch das, was die beiden jungen Frauen erlebten, die auf dem Deckblatt dieser Brücke zu sehen sind. Es sind Schwestern, die vier Tage zuvor ihren Bruder zu Grabe getragen haben. Sie sind noch mittendrin in der Trauer. Sie weinen. Lazarus ist tot. Er fehlt ihnen! Und dann das: Ihr Bruder, noch in Leichentücher gehüllt, bewegt sich wieder, regt seine Glieder, richtet sich auf und lebt. „Kaum zu glauben! Jesus hat den toten Lazarus auferweckt!“

Wie stehen wir heute zu der Erzählung von der Auferweckung des Lazarus (Johannes 11)? „Unglaublich… nicht zu glauben!“ oder „Kaum zu glauben … aber wahr!“? In dieser herbstlichen Jahreszeit, zum Ende des Kirchenjahres, kommen diese Fragen auch gottesdienstlich wieder mehr in den Blick: Was erwartet die Verstorbenen? Was erwartet uns einmal nach dem Tod?

Die Bibel spricht sehr eindeutig von der leiblichen Auferweckung – aber nicht wie bei Lazarus zurück ins irdische Leben, sondern hinein ins ewige Leben. Unglaublich? Oder kaum zu glauben? Ja, weil sich die Auferstehung unseren Vorstellungen völlig entzieht. Die Schwestern des auferweckten Lazarus drücken unterschiedliche Gefühle aus: Die eine, rechts im Bild, wendet den Blick weg vom Geschehen, zweifelnd und nachdenklich ist ihre Hand ans Kinn gelegt. Die andere, im Bildhintergrund, wirft sich anbetend auf die Knie. Ihr Blick ist vertrauensvoll auf Jesus gerichtet, der nur wenige Augenblicke zuvor den toten Lazarus zurück ins Leben gerufen hat.

Bei allem Nachdenken über den eigenen Tod und bei allem Erinnern an die Verstorbenen, soll durch die Gottesdienste zum Jahresende unser Blick auf Jesus Christus hin gewendet werden. Denn er hat die Macht, Tote – auch uns – zum Leben zu erwecken. „Kaum zu glauben… aber wahr!“

Herzlich grüßt

Ihr Pastor Johannes Heicke

Geistliches Wort Juli 2013

Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn. (Mt 14,30-31)

Liebe Leser,

während Sie diese Zeilen lesen, sind die Wasserpegel der Flüsse in Süd- und Ostdeutschland wieder auf einen normalen Stand gesunken. Was bleibt, sind Unmengen von Schlamm und Dreck in den Straßen, Feuchtigkeit in Kellern und unteren Etagen der betroffenen Häuser, schreckliche Erinnerungen und die Erleichterung, dass es endlich vorbei ist. Vorerst stellen die Wassermassen nun keine Bedrohung mehr dar – endlich.

Erleichtert war auch Petrus, als sich die Hand Jesu nach ihm ausstreckt und ihn packt. Eben noch war er mutig und ganz euphorisiert aus dem Boot gestiegen und schaffte das, was sein Herr ihm vorgemacht und wozu er ihn gerufen hat: Petrus läuft auf dem Wasser! Erstaunlich! Unbegreiflich für uns heute! Petrus schafft im Vertrauen auf Jesus das Unmögliche. Sogar die Gesetze der Physik werden ausgehebelt. Doch irgendwann ist seine Begeisterung verflogen. Er blickt auf die bedrohlichen Wassermassen unter ihm – und sinkt ein. Und genau in diesem Moment greift die Hilfe: Die Hand Jesu hält Petrus fest und rettet ihn vor dem Ertrinken.

Gern wird das Verhalten des Petrus als Bild für unseren Glauben genommen. Und ich denke, es passt ganz gut: Manchmal sind wir ganz euphorisch, erleben Höhenflüge des Glaubens und sind hochmotiviert. Diese Ausgabe der Brücke zeigt ja auch wieder ein paar solcher Momente und Ereignisse. So kann uns z.B. ein schöner Gottesdienst noch tagelang durch die Woche tragen. Doch manchmal folgt auf die große Euphorie auch die Ernüchterung. Zum Beispiel wenn die Realität des Alltags uns wieder im Griff hat uns übermannt. Dann sind wir angewiesen auf die Hand Jesu, die nach uns greift und uns vor dem Ertrinken rettet. Petrus konnte sich auf diese Hand verlassen. Im Glauben können wir das auch. Jesus hält uns.

Es ist zu wünschen, dass den Betroffenen in den Hochwassergebieten auf ähnliche Weise geholfen wird. Sowohl im Glauben als auch ganz tatkräftig.

Einen Sommer mit viel Sonne wünscht

Ihr Pastor Johannes Heicke

Geistliches Wort April 2013: Ulrich Parzany schreibt zum Bierener Missionsfest

„Ich freue mich auf die ProChrist-Tage in Rödinghausen im Juni. Vielleicht wundern Sie sich über das Motto „Zweifeln und Stauen“. Staunen – das finden wir alle toll. Aber Zweifel verunsichern und quälen. Sie erwarten von mir wahrscheinlich, dass ich mehr für den Glauben werbe als für das Zweifeln. Aber auch wenn es Sie überrascht: Ich werbe zunächst einmal für das Zweifeln. Ich verstehe unter Zweifeln ein radikales Fragen, mit dem Gewohntes in Frage gestellt wird. Ich meine, das tut uns gut.

Sehen Sie, wenn ein Haus einstürzt, fragt man sich nachher, woran das gelegen hat. War das Fundament nicht stabil? Ist die Statik falsch berechnet worden? Die Fragen kommen leider zu spät, wenn das Haus einstürzt. Sie müssten vorher gestellt werden. Dann hätte man den Einsturz vielleicht verhindern können. Ich möchte Mut machen, dass wir nach der Stabilität des Fundamentes unseres Lebenshauses fragen, bevor es einstürzt. Worauf verlasse ich mich eigentlich? Gesundheit? Geld? Gute Beziehungen? Glück? Gott? Gibt es den? Wer ist er? Was hat er mit meinem Leben zu tun? Kann man darüber etwas Genaues wissen? Was ist das Ziel des Lebens? Wie können Beziehungen gelingen? Wem kann ich vertrauen?

Ich bin davon überzeugt, dass die Bibel uns präzise Auskünfte zur Beantwortung solcher Fragen gibt. Darum lohnt es sich die Fragen zu stellen. Wir müssen nicht gedankenlos leben. Wir dürfen getrost eine Schippe tiefer graben.

Ich hoffe, Sie werden mit dabei sein und Ihre Bekannten und Freunde mitbringen. Es wird Gelegenheit zum Gespräch geben. Und hoffentlich werden viele darüber staunen, welche überraschenden Perspektiven die Bibel für unser Leben eröffnet. Ich verlasse mich auf die Zusage von Jesus: „Wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird geöffnet.“ Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

Mit herzlichen Grüßen und voller Erwartung

Ihr Ulrich Parzany

Geistliches Wort Februar 2012

Siehe, wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr 13,14

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freunde,

auf dem Gehweg stapeln sich die Umzugskartons. Gleich muss der Möbeltransporter kommen. Dann geht es ab an einen fremden Ort. Die neue Arbeit wartet dort schon. Nicht nur Hemden, Möbel und Teller machen sich auf den Weg. Im Gepäck sind auch eine Portion Spannung und ein Stück Ungewissheit, das mulmige Gefühl: Was kommt da wohl auf mich, auf uns zu? Zurück bleiben Freunde und Bekannte, zurück bleibt ein gutes Stück Heimat.

So ist es uns als Familie im letzten April ergangen, als wir uns zu Ihnen auf den Weg gemacht haben. So ist es aber sicher vielen von Ihnen auch schon gegangen in Ihrem Leben. Und so kann man auch den Jahreswechsel beschreiben: Wir haben ein altes Jahr zurückgelassen. Mit vielen schönen Erlebnissen wie unseren Sommerfesten, dem gemeinsamen Adventsnachmittag, schönen Gottesdiensten zu Heiligabend und eben zum Jahreswechsel in der Gemeinde. Und sicher auch mit viel Schönem im Privaten. Und schon sind wir mittendrin im neuen Jahr, haben schon wieder viel erlebt, das Rad dreht sich weiter.

Wie passend ist da in diesem Jahr die Jahreslosung: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Auch das gerade begonnene Jahr wird wieder vergehen wie im Fluge, auch in diesem Jahr haben wir keine „bleibende Stadt“. Sicher, viele werden ihre Heimat behalten, ihr Haus, ihre Wohnung, ihre Familie. Und doch: Nichts bleibt, wie es ist. Außer dem Gefühl: Das kann doch noch nicht alles gewesen sein. Da muss doch noch mehr kommen.

Und tatsächlich: Da kommt noch mehr! Nämlich die „zukünftige Stadt“, die, die wir Christen suchen, das ewige Leben! Darauf weist auch die „Himmelsleiter“ auf der Titelseite: Für uns Christen führt der Weg aus dieser Welt in den Himmel, da haben wir eine bleibende Stadt, da werden wir zur Ruhe kommen und Frieden finden.

Mit dieser Hoffnung im Gepäck lasst uns losgehen ins neue Jahr, offen für alles Neue, das da kommt, befreit, weil wir wissen: Da kommt noch mehr!

Es grüßt Sie herzlich,

Ihr Pfarrvikar Johannes Heicke