Corona

Liebe Gemeindeglieder und Freund*innen der Bethlehems- und der Johannesgemeinde,

wie praktisch alle anderen Gemeinden in der Region gehen auch wir den Weg, Nächstenliebe durch Distanz auszudrücken und bis auf Weiteres – schmerzlich – auf sämtliche Gemeindeveranstaltungen zu verzichten.

Allerdings fallen die Gottesdienste nicht aus, sondern werden in den virtuellen Raum verlegt. Für alle, die einen Internetzugang und ein Telefon haben und beides bedienen können, wird es am Sonntag die Möglichkeit geben, zu einem festgelegten Zeitpunkt gemeinsam eine Online- oder Fernseh-Predigt zu schauen und sich dann danach in einer Telefonkonferenz über das Gehörte auszutauschen – so eine Art Kirchkaffee am Telefon. Genauere Informationen dazu gibt es im Lauf der Woche.

Für ältere Gemeindeglieder soll es auch gedruckte Predigten geben, die verteilt werden sollen. Wer sich an der Stelle bei der Verteilung engagieren möchte oder die Predigten für seine Angehörigen ausdrucken kann, kann sich gern bei mir melden.

Schließlich hat ein Pfarrer unserer Kirche eine Video-Passionsandacht aufgenommen, die ich Euch empfehlen möchte. Das Drumrum, die Ton- und Aufnahmequalität und die Form der Andacht sind nicht unbedingt bombig. Aber den Inhalt der Ansprache finde ich sehr gut – Mut machend für die Corona-Wochen und -Monate, die da vor uns liegen.

Liebe Grüße und bleibt behütet,
Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort Februar/März 2020

Ich glaube, hilf meinem Unglauben. (Markus 9,24)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde der Gemeinde,

ein kaufmännischer Angestellter bewarb sich auf eine offene Stelle. Seiner Bewerbungsmappe fügte er eine ungewöhnliche Rubrik bei. Er listete neben seinen Stärken auch auf, was er alles nicht kann. Er könne beispielsweise weder gut mit dem Computer umgehen noch verhandlungssicher Englisch sprechen. Überraschung: Er bekam den Job! Seine Bewerbung war so ungewöhnlich und ehrlich, dass sie ihn kennenlernen wollten und schließlich einstellten.

Wenn wir uns bei Gott bewerben müssten, dann stünde uns eine Rubrik ‚Was wir alles nicht können‘ auch gut zu Gesicht. Aufgelistet wäre dort: Wir können nicht glauben!

Warum das denn? Werden wir nicht deshalb Christen genannt, weil wir an Christus, Gottes Sohn glauben? Ja, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Der Evangelist Markus berichtet uns von einem Vater, dessen Kind schwer krank ist. Niemand kann es wirksam behandeln. In Jesus sieht der Mann die letzte Chance auf Rettung seines Sohnes gekommen. Er kommt zu ihm und schreit ihn an: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Er ist so zerrissen, weil in ihm zwei Stimmen um Gehör ringen. Die eine flüstert: „Dieser Jesus ist auch nur ein Mensch. Der kann dir nicht helfen. Du verschwendest deine Zeit.“ Die andere Stimme sagt: „Vertraue Jesus! Er ist der Sohn Gottes. Er kann dir helfen.“ Die ganze Wahrheit muss auf den Tisch. Jetzt schreit es aus seinem Innersten heraus: ‚Herr, ich will ja glauben! Tu etwas gegen meinen Unglauben!‘ Und Jesus hilft. Er macht den Jungen gesund. Der Glaube hat gesiegt!

Was für ein Trost: Auch wenn unser Glaube klein und schwach, vielleicht sogar gar nicht mehr zu spüren ist, heißt es für uns nicht „Tja, Pech gehabt!“, sondern „Du bekommst Hilfe! Du musst deinen Glauben nicht machen – ich mache ihn in Dir!“

Vielleicht könnte das ja dieses Jahr auch regelmäßig Inhalt Ihres Gebets sein: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“

Herzlich grüßt

Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort Oktober 2019-Januar 2020

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. (Psalm 50, 15)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde,

wer bei der letzten Konfirmandenprüfung oder der Kinderfreizeit im Sommer dabei war, der weiß das schon: Gott hat eine Telefonnummer. Nämlich die 5015.

Natürlich ist damit keine „richtige“ Telefonnummer gemeint – die Frage wäre ja auch, welche Vorwahl ich benutzen muss und wie lang die dann wäre. Nein, die Zahl steht für den oben stehenden Vers aus Psalm 50, 15.

Ein anschauliches Bild für dieses Psalmwort findet sich auf dem Titelseite. Es wurde mir von Gemeindegliedern zugespielt, deren Freunde es im Bayern-Urlaub aufgenommen haben: Eine kleine Kapelle, direkt verdrahtet mit einer riesigen Satellitenschüssel, die die Signale der Gläubigen in den Himmel transportiert – und wenn es gut läuft, auch Gottes Wort empfängt und an die Gemeinde weitergibt.

Hm, so eine tolle Satellitenanlage haben wir weder in der Bethlehems- noch in der Johanneskirche – oder vielleicht doch?

Wir haben viel mehr als das! Wir haben den Heiligen Geist, der nicht nur unsere Kirche, sondern unsere eigenen Gedanken mit denen von Gott verbindet! Und zwar so, dass er sie schon gehört hat, noch bevor wir sie überhaupt aussprechen können: „Euer Vater im Himmel weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ (Matthäus 6,8) Wenn wir also mal keine Worte finden für das, was uns schwer bedrückt, findet der Heilige Geist für uns diese Worte. Und er unterstützt uns dabei, (wieder neu) das Beten zu üben. Denn es tut gut, mit Gott im Gespräch zu sein, zu wissen, dass er meine Not sieht und mich damit nicht allein lässt.

Übrigens: Das soll sogar auch klappen, wenn man grade nicht in Not ist. Grade zum Erntedankfest bietet es sich an, mal wieder nachzudenken über ein kurzes „Danke, dass ich alles habe, was ich zum Leben brauche.“

Damit grüßt herzlich

Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort August-Oktober 2019

Liebe Gemeindeglieder und Freunde,

na so was, alle reden von dieser Mondlandungs-Sache vor 50 Jahren, und jetzt steht das sogar im Gemeindebrief! Was hat das denn mit Glaube und Kirche zu tun? Widersprechen sich Naturwissenschaft und Glaube nicht geradezu? Juri Gagarin, der erste Mensch im All, hat doch nach seinem Flug gesagt: „Ich habe gesucht und gesucht, aber Gott habe ich nicht gefunden.“

Dass da drei Menschen von der Erde in den Himmel geflogen sind, ist zwar eine große Leistung gewesen. Und das mit einem Bordcomputer, dessen Rechenleistung geringer war als die eines heutigen Smartphones!

Aber unendlich viel wichtiger ist, dass Gott aus dem Himmel auf die Erde gekommen ist. Das verändert alles, weil dadurch unser Weg in den anderen Himmel, in Gottes Ewigkeit, wieder frei ist.

Einer, dem das damals offensichtlich voll bewusst war, ist Buzz Aldrin, einer der drei Astronauten in der Mondfähre. Er trug auf dem Mondflug eine Karte bei sich, auf die er folgenden Vers geschrieben hatte: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Ps 8,4f) Nachdem die Mondlandefähre „Eagle“ auf dem Mond aufgesetzt hatte und Aldrin und Armstrong darauf warteten, den Mond betreten zu dürfen, feierte Aldrin das Abendmahl mit geweihtem Brot und Wein (die er zuvor von seiner Kirche erhalten hatte). Dann las er in seiner Bibel. Er hatte das starke Bedürfnis, dem Schöpfer des Universums zu danken. Wenn in diesen Tagen von den menschlichen Errungenschaften im Weltraum gesprochen wird, lasst uns daran denken: Alles, was wir sind und haben, verdanken wir Gott. Wir geben ihm die Ehre dafür: „Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne!“ (Ps 148,3)

Damit grüßt herzlich

Ihr/Euer Johannes Heicke

Geistliches Wort Juni-Juli

Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir ein langes Leben einbringen. (Sprüche 3,1-2)

Liebe Gemeindeglieder und Freunde,

sagt ein Pfarrer zum andern: „Ich werde diese blöden Fledermäuse im Kirchturm einfach nicht los!“ „Gar kein Problem“, sagt der andere: „Ich hab‘ meine getauft und konfirmiert, seitdem hab‘ ich sie nie wieder gesehen!“

Glücklicherweise haben wir in unseren beiden Gemeinden keinerlei Probleme mit Fledermäusen, und auch die Konfirmierten der letzten Jahre halten gut zur Stange. Und doch ist es jedes Mal wieder die spannende Frage: Wie geht es weiter nach dieser „Pflichtzeit“, die junge Christen zu überstehen haben? Ist dann erstmal eine Pause nötig? Oder haben sie sich eingelebt in den bewussten Glauben?

Schließlich ist ja was dran an dem Spruch, der über diesen Zeilen steht: Wer dran bleibt am Glauben, am Vertrauen auf Jesus, dem winkt nicht nur ein langes, sondern sogar ein ewiges Leben!

Und doch wissen wir alle: Es gibt Zeiten, da ist unser Glaube eher passiv – da muss Gott schon mit mir treu sein, weil es mit meiner Treue grade nicht so weit her ist.

Und dann gibt’s wieder die anderen Zeiten, in denen Gott mir wieder näher kommt. Zum Beispiel wenn ich mich auf die Konfirmation vorbereite. Oder wenn meine Kinder in ein Alter kommen, in denen die Gemeinde ein Angebot für sie hat. Oder wenn ich besonders schwere Zeiten durchlebe, oder besonders schöne. Oder wenn ich beginne, mich mit meinem eigenen Tod auseinanderzusetzen.

Wie gut, dass Gott dann nie nachtragend sein wird, sondern dass seine Arme immer weit für uns geöffnet bleiben. Wie in der biblischen Geschichte vom Sohn, der sein Erbe einfordert und den Vater verlässt. Dem sein Vater völlig gleichgültig ist. Und der dann erst wiederkommt, als es ihm richtig dreckig geht.

Und was tut der Vater, was tut Gott? Schimpft er ihn aus? Nein, im Gegenteil: Er freut sich und nimmt ihn in die weit geöffneten Arme!

Damit grüßt herzlich

Ihr/Euer Johannes Heicke